Gieriger Materienfresser

 

Das Trek Checkpoint SL 6 ist ein Gravelbike. Es verspricht, mich überall hinzubringen.

Vor rund 100 Jahren wurde die Existenz von schwarzen Löchern aus den Gleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt. Schwarze Löcher fressen alles, was ihnen in den Weg kommt, sogar Licht. Aufgrund ihrer starken Anziehungskraft wird zunächst alles in die Länge gezogen und schliesslich verschluckt. Stephen Hawking nannte dieses Phänomen «Spaghettisierung».

Als ich das Trek bei Thomet Radsport in Empfang nehme, zaubert mir die schlichte Rahmengeometrie in mattschwarzem Carbon ein Lächeln auf die Lippen. Gemäss Trek sei diese Fahrmaschine dafür konzipiert, mich an Orte zu bringen, die für ein herkömmliche Rennrad unerreichbar seien.

Die Route, die ich an einem sonnigen Februarsonntagnachmittag ins Visier nehme, ist dafür wie gemacht. Sie führt über steinige Waldwege hinauf auf den Frienisberg. In den Weg stellen sich ein paar eisige Schnellfelder, die den warmen Sonnenstrahlen trotzen. Die asphaltierte Abfahrt runter zum Staudamm über den Wohlensee ist eine der steilsten im Seeland. Und der schottrige Waldweg durch ein wildes Naturschutzgebiet entlang dem Niederried-Stausee lässt Mountainbiker innerlich jauchzen, ist aber Gift für jedes Rennrad. Passendes Futter für ein Gravelbike, das einfach alles schlucken soll.

Bei Bikes stellt sich rasch ein Gefühl ein, das Kontrolle oder Schwammigkeit auf den Plan ruft. Beim Trek ist es Ersteres. Bereits auf den ersten Metern stellt sich ein sportliches Fahrgefühl ein. Das Bike überzeugt durch viel Laufruhe und vermittelt Sicherheit. Dazu gesellt sich soviel Agilität, dass man sich auf Steine und Schotter freut. Bereits im ersten Anstieg macht sich das geringe Gewicht bemerkbar. Mein überschüssiger Winterspeck wird durch den Carbonbau neutralisiert. Man sagt, dass Carbon Schläge schlechter absorbiere als Stahl. Auf diesem Velo kann ich dies nicht bestätigen. Das mag an IsoSpeed liegen. Die vibrationsdämmende Technologie wurde mit Fabian Cancellara entwickelt und schwingt via Sattelrohr die Kräfte der Strasse weg. Man ermüde, so Trek, damit weniger.

Die Graveleigenschaften des Trek sind beachtlich. Die Reifen haben Grip. Eine 11-34er Kassette und ein 50-34er Kettenblatt ziehen steilen Anstiegen den Zahn. Auf der asphaltierten Steilrampe runter an den Wohlensee überzeugen fein dosierbare und kräftig zupackende Bremsen. Hier auf der Strasse fühlt sich das Velo noch eine Spur besser an. Beim Überfliegen des steinigen Uferweges entlang dem Niederried-Stausee denke ich an Stephen Hawkings «Spaghettisierung». Das Trek ist ein gieriger Materienfresser. Was ihm in die Quere kommt, wird in die Länge gezogen und verschluckt. Es eignet sich für sportliche FahrerInnen, die ihren Velofuhrpark auf eine eierlegende Wollmilchsau mit viel Sahne reduzieren wollen. Damit rechtfertigt es nonchalant seinen Preis.

An der Waschanlage treffe ich meinen ehemaligen Nachbarn. Er fährt ausschliesslich Autos, die einem in Sekundenbruchteilen den Hintern zeigen. Für mein Velo hat er ein schwer anerkennendes Nicken übrig. Das tut er normalerweise nur bei den stärksten Autos.

Trek Checkpoint SL 6

Rahmen Carbon
Gewicht 8.94kg bei einer 56cm Rahmengrösse
Reifen Bontrager GR1, 700x40c
Schaltung Shimano Ultegra, 2×11
Bremsen Hydraulische Flat Mount-Scheibenbremsen Shimano Ultegra
Preis CHF 4‘099.–

Biketester: Lorenz Schmid, Partner bei in flagranti communications und leidenschaftlicher Velofahrer 

 

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